Im Land des Laufens – von Adharanand Finn

„Ich gehe laufen“, sage ich. „Warum?“ fragt sie.

Das ist eine gute Frage, aber der Augenblick kurz vor einem Lauf ist nicht die beste Zeit für den Versuch einer Antwort. Unmittelbar vor dem Loslaufen fällt es mitunter schwer, sich genau zu vergegenwärtigen, warum man so etwas tut. Oft muss man beim Schuhebinden ein bohrendes Gefühl der Sinnlosigkeit überwinden und sich selbst einreden, man werde am Ende froh sein, losgelaufen zu sein, so unwahrscheinlich das jetzt auch sein mag. Erst im Nachhinein stellt sich der Sinn ein, obwohl es selbst dann rational schwer zu erklären ist. Es fühlt sich einfach richtig an. Nach einem Lauf fühlt man sich eins mit der Welt, als ob irgendein nicht näher benennbares, angeborenes Bedürfnis gestillt worden wäre.

jochenkr

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